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Kunst Kommentar
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 Der Mensch vor der Geburt. Andreas Jaeggi malte als Artist-in-Residence fuer das naturhistorische Museum in Le Havre.
 Ich sehe noch nichts: Andreas Jaeggi gibt dem ungeborenen Menschenkind ein Gesicht.
 Haus in Paris: Andreas Jaeggi provoziert gerne mit ungewohnten Blickwinkeln.
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Schweizer Illustrierte Kultur: die besten "Andreas Jaeggi, der Tausendsassa" Erfolg ueber die Grenze: In der Pariser Oper steht Andreas Jaeggi als Solist auf der Buehne. Parallel dazu macht der Tenor aus Basel Karriere als Maler – in der Schweiz und in Frankreich.
Er ist ein durch und durch musischer Mensch, der Basler Andreas Jaeggi. "Singen, malen und zeichnen ist fuer mich wie atmen, essen und trinken," betont er. "Wobei ich als Kuenstler einen ziemlich langen Atem brauche." Im Gegensatz zum Singen.
Als Tenor steht er in der neuen Spielzeit der Pariser Nationaloper Bastille in drei Produktionen auf der Buehne. Und dies gleich in drei verschiedenen Sprachen: In der "Salome" von Richard Strauss singt er deutsch, im "Werther" von Massenet franzoesisch und in "Billy Budd" von Britten englisch. "Das sind aufregende Projekte," freut sich Jaeggi. Singen sei fuer ihn Spitzensport, das taegliche Stimmtraining ein Muss. "Fuer mein Gleichgewicht ist die Malerei deshalb sehr wichtig," betont der ausgebildete Grafiker.
Die Engagements im Ausland wecken im Saenger die Gefuehle von Ruhelosigkeit, Verlassenheit und Heimatlosigkeit. Mit der Malerei schafft er sich ein Daheim in der Fremde. Im Koffer stets mit dabei ist deshalb das Malzeug. Zuerst kommen die Partituren ins Gepaeck, dann Pinsel und Farbe und zum Schluss reichts gerade noch fuer ein paar T-Shirts. "Ich male ueberall und jeden Tag, selbst auf dem Kuechentisch," erzaehlt er. Und lacht. "Weil ich nicht warten kann, bis ich wieder zu Hause in Basel bin."
Nun ist er Gastkuenstler im naturhistorischen Museum in Le Havre. Als Artist-in-Residence gestaltete er eine Werkserie fuer die Ausstellung "Vor der Geburt, Bilder aus 5000 Jahren". Die von Alain Germain kuratierte Schau umfasst unter anderem auch einen altaegyptischen mumifizierten Foetus in einem bemalten Sarkophag und lebensgrosse Wachsmodelle aus dem 19. Jahrhundert.
Um jedem Objekt eine starke Praesenz zu vermitteln, wurden alle Raeume schwarz gestrichen. Auch jene mit Jaeggis Werken. Innerhalb von 14 Tagen schuf er 17 Bilder und 4 Zeichnungen. "Die groesste Arbeit war die mentale Vorbereitung und die Auseinandersetzung mit den vorgeburtlichen Bildern." Denn die Kunstwerke sind inspiriert von dreidimensionalen Hightech-Ultraschallaufnahmen, die ihm der Arzt Jean-Marc Levaillant zur Verfuegung stellte.
Die grossen Gemaelde wirken skizzenhaft und gestisch. Der Maler hat den anonymen Wesen eine Identitaet gegeben. Kein Kinderspiel. "Die Darstellung eines Ungeborenen ist anspruchsvoll. Entweder wird es schnell zum Monster oder wirkt zu suess."
Le Havre – Paris – Basel: Andreas Jaeggis Terminkalender ist ausgebucht. Sein langjaehriger amerikanischer Lebenspartner Ron Rubey kuemmert sich um seine Engagements, Finanzen und ums Buero. "Ohne ihn koennte ich das alles nicht schaffen. Ron haelt mir den Ruecken frei."
Der Kuenstler und der ehemalige Profitaenzer leben in einer grosszuegigen Jugendstilwohnung beim Zolli. "Ich geniesse mein Zigeunerleben erst, seit wir dieses schoene Zuhause haben," gesteht Jaeggi. Wenn er Zeit hat, verzieht er sich abends ins Atelier im Keller. Bringt die Bilder in seinem Kopf auf die Leinwand. Flink und locker.
Diese Leichtigkeit widerspiegelt sich auch in den Motiven. Ein Haus, erhascht durchs Fenster eines Flugzeugs oder aus der Tiefe einer Strassenschlucht. Die Wendeltreppe im New Yorker Guggenheim-Museum. Die "Mona Lisa" im Louvre. Arbeiten, die mit ihren ungewoehnlichen Perspektiven eine andere Sehweise provozieren.
Wer es nicht bis Le Havre schafft, um Andreas Jaeggis neueste Kunst zu sehen, kann ihr aktuell auch in Basel begegnen. "Schoene Aussichten" ist eine 100 Bilder und Skulpturen umfassende Werkschau des Kuenstlers in der Basler Privatbank Trafina. Die Ausstellung macht seine kuenstlerische Vielfaeltigkeit und seinen unglaublichen Schaffensdrang sichtbar.
von Isolde Schaffter-Wieland
"Einen Embyo zu malen, ist nicht kinderleicht," Andreas Jaeggi, Kuenstler.
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"Stimmgewaltiger mit Malertalent"
Der Saenger Andreas Jaeggi entwirft auch gerne mal ein poppiges Stillleben.
Der Basler Andreas Jaeggi uebt als Opernsaenger und bildender Kuenstler zwei Berufe nebeneinander aus. Moeglich ist dies nur dank der unermuedlichen Unterstuetzung seines Lebenspartners Ron Rubey.
Multitalente, die zugleich Opernsaenger, Maler und Objektkuenstler sind, trifft man nicht an jeder Hausecke. Am Tiergartenrain 5 stossen wir allerdings auf Andreas Jaeggi, einen dieser vielseitig Begabten, fuer den Kunst und Leben eine unzertrennliche Einheit bedeuten. Spuerbar wird dies bei einem Besuch in Jaeggis elegantem Jugendstilappartement: Da gibt es nicht nur erlesene Moebel, ein Klavier und Notenmaterial, sondern vor allem auch viele Bilder und Skulpturen, die der Kuenstler ueber mehrere Jahrzehnte hinweg geschaffen hat. Mit einer Kostprobe seiner Stimmgewalt tauchen wir dann vollends ein in die faszinierende Welt der Musik und der Kunst.
Die Liebe zur Kunst wurde dem 1952 in Basel geborenen Andreas Jaeggi sozusagen in die Wiege gelegt. Die Mutter war Malerin, der Vater Verleger und spaeter Besitzer der renommierten Buchhandlung W. Jaeggi AG in Basel und Bern. Querfloetenunterricht und der Besuch der Grafikfachklasse an der Basler Kunstgewerbeschule waehrend der 1970er Jahre bildeten die solide handwerkliche Basis fuer Jaeggis enorme Kreativitaet. Schon als 22-Jaehriger begann er, Kostueme und Buehnenbilder fuer die Pariser Musiktheatercompagnie Alain Germain zu entwerfen.
Opern und Konzerte
Zum Gesang sei er durch puren Zufall gelangt, sagt Andreas Jaeggi. Eine Wohnungsnachbarin habe irgendwann einmal die Bemerkung gemacht, dass er gut zeichnen, aber noch besser singen koenne. So ermutigt meldete sich Jaeggi beim Konservatorium, wo er rasch Aufnahme fand und schon bald als Tenor seine erste Bachkantate singen durfte. Ein mehrjaehriges Gesangsstudium bei der beruehmten Opernsaengerin Maria Stader perfektionierte schliesslich seine stimmlichen Qualitaeten, mit denen er nun seit drei Jahrzehnten als Solist und Charakterdarsteller im klassischen Opern- und Konzertbereich zu brillieren versteht.
Seine kraftvolle Stimme und sein Schauspieltalent vermittelten ihm schon frueh feste Engagements an verchiedenen deutschen Opernhaeusern. An der Oper von Osnabrueck lernte er vor 25 Jahren auch seinen Lebenspartner, den amerikanischen Taenzer Ron Rubey, kennen. Nur dank dieser harmonischen Partnerschaft und Zusammenarbeit, stellt Jaeggi mit Nachdruck fest, sei es ihm moeglich, seine Neigungen als Saenger und bildender Kuenstler voll auszuleben.
Im musikalischen Bereich hat Jaeggi soeben zwei neue Vertraege mit der Opera National de Paris fuer die Produktionen von "Salome" von Richard Strauss und "Billy Budd" von Benjamin Britten unterschrieben (*). Ausserdem wird er zur Spielzeit 2008/09 als Doktor Blind in Johann Strauss' "Fledermaus" am Opernhaus Amsterdam zu hoeren und zu sehen sein.
(* Andreas Jaeggis naechste Produktion an der Bastille findet 2009 statt: er wird Goro in "Madama Butterfly" von Puccini in der Inszenierung von Robert Wilson portraitieren.)
Malen und Gestalten
Trotz all seiner Erfolge als Saenger gesteht Andreas Jaeggi ganz offen, dass die bildende Kunst im eigentlichen Zentrum seines Lebens stehe. Im Malen, Zeichnen und skulpturalen Gestalten findet er vermutlich die Freiraeume, die ihm das volle Ausleben seines kreativen Dranges erlauben. Erlebnisse und Empfindungen weiss der Kuenstler sehr unterschiedlich – in poppigen Stillleben, impressionistischen Stadtlandschaften oder surreal angehauchten Ton und Fliessharzfiguren – zum Ausdruck bringen.
Zu den besonderen Eigenheiten Jaeggis gehoert vor allem das leicht ironische Verfremden alter Meister und Stile. Ganz unverfroren etwa kopiert er ein Richelieu-Portrait des Malers Philippe de Champaigne aus dem 17. Jahrhundert und ersetzt das Haupt des Kardinals durch den eigenen Kuenstlerkopf. Aehnlich verfaehrt er in einer Zeichnungsserie, in der er die Mona Lisa von Leonardo mit beruehmten Haeuptern wie denjenigen von Einstein, Mutter Teresa oder gar Donald Duck versieht. Womit es ihm zweifellos gelingt, die Symbolkraft dieser Figuren auf sehr eigenwillige Weise zu steigern.
Im Jahr 2001 haben Andreas Jaeggi und Ron Rubey damit begonnen, Ausstellungen im In- und Ausland zu organisieren, um die Werke einer breiten Oeffentlichkeit zu praesentieren. "Mit den Ausstellungen konnten wir wertvolle Erfahrungen sammeln. Ende 2007 haben wir nun beschlossen, alle Ausstellungsaktivitaeten vorlaeufig einzustellen", sagt Jaeggi. Dies zweifellos, um Vergangenes zu ueberdenken und Zeit fuer Neues zu schaffen, auf das Kunstfreunde wohl auch in Zukunft sehr gespannt sein duerfen. von Renate Duerst fuer Basler Zeitung
Foto oben: "Tausch. Andreas Jaeggi vor seinem Richelieu-Portrait, bei dem er das Haupt des Kardinals durch sein eigenes Abbild ersetzt hat." Fotos: Lea Hepp (Aufnahmen nicht frei von Urheberrechten)
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"Mona Mania"
Im Reigen der Meisterwerke der Renaissancezeit existiert wahrscheinlich kein Bild, das bekannter ist als Leonardo da Vincis Portrait der Gattin eines wohlhabenden Seidenhaendlers. Googelt man Mona Lisa, erscheinen ueber 4,6 Milionen Referenzen zu Internet Webseiten. Zur Ikone geworden und Ausgangspunkt fuer weitere kuenstlerische Formen, ist das raetselhafte Bild tausendfach weltweit reproduziert, parodiert, karikiert und manipuliert worden.
Fuer Andreas Jaeggi, in Basel ansaessiger Kuenstler/Maler/Bildhauer und Opern-/Konzertsaenger, ist Mona Lisa zum "Zeugnis mit dem groessten Wiedererkennungseffekt vergangener europaeischer Kultur" geworden. Basierend auf dieser beruehmten Quelle, hat er bisher 21 Zeichnungen in einer fortlaufenden Serie vollendet, die sich mit dem Beruehmtsein und dessen Darstellung befasst. Jaeggi ersetzt die geheimnisvolle Frau in Leonardos Original durch weltbekannte Figuren aus dem 20. Jahrhundert und spielt mit Perspektiven auf verschiedenste Weise.
Er setzt seine Ideen durch, testet, lockt, verlockt und verlangt unsere ganze Aufmerksamkeit nicht nur fuer das zentrale Thema, sondern auch fuer jede Einzelheit in jeder einzelnen Arbeit. Interpretationen der Landschaftsdetails – einige subtil, andere augenfaellig – sind bedeutungsvoll, hier ganz besonders wegen Leonardos Verwendung von zwei unterschiedlichen Fluchtpunkten in der Perspektive. Der linke Hintergrund des Bildes unterscheidet sich vollkommen von jenem der rechten Seite. Jaeggi und andere, wie zum Beispiel Nicolas Pioche im WebMuseum Paris, erkennen diesen Trick als Leonardos Instrument, zwei "Fantasie"-Landschaften zu erfinden, die nicht wirklich miteinander verbunden sind.
Sinn fuer Humor zu haben ist beim Betrachten von Andreas Jaeggis Mona Projekt ein hilfreiches Accessoire. Das eigene Mona Bildnis des Kuenstlers (Mona Myself) koennte man beinahe mit dem Original verwechseln – obwohl in schwarz-weiss – bis der kurzsichtige Blick von hinter diffusen Brillenglaesern sich ins Blickfeld schleicht. Die anderen in der Serie dargestellten Persoenlichkeiten moegen beruehmter sein als er selbst, die ikonenhafte Qualitaet des Bildes jedoch bleibt und dies auch in der buchstaeblichen und figurativ komischen Wiedergabe aller anderen ausgewaehlten Modelle. Donald Duck ist in Walt Disneys Zeichentrickfilmen ja auch leibhaft lebendig geworden, nicht wahr? Und obwohl die Geschichte von Schneewittchen schon seit vielen Generationen in unserer Mythologie existiert, ist das Bild, das die meisten heute von dieser Maerchenfigur haben, jenes aus Disneys Trickfilm von 1938.
Die Wahl der Beruehmtheiten und die Wahl der allgemein bekanntesten Wiedergabe dieser "People" sind nur zwei der Fragen, die sich Jaeggi waehrend der Entwicklung der Originalzeichnungen fuer das Mona Projekt stellt. Der Kuenstler denkt auch darueber nach: "Gibt es einen speziellen Moment im Leben dieser Beruehmtheiten, in dem die Zeit still steht und sich das Bild von ihnen herauskristallisiert, das fuer immer und ewig an sie erinnert? In welchem Lebensalter sollte eine Beruehmtheit bildlich festgehalten werden? Ist eine bestimmte Pose von Wichtigkeit?" Und er kommt zu folgendem Schluss: "Sehr oft ist es nur ein ganz bestimmtes Bild einer Persoenlichkeit, das wir alle kennen, und welches wahrhaft repraesentativ fuer diese Person ist." Genau wie die verehrte Dame selber werden diese Bilder zu Ikonen und diese sind es, die Jaeggi fuer sein Mona Projekt auswaehlt.
Die gegenwaertige Serie begann mit schwarz-weissen Bleistiftzeichnungen. Farbstift ist fuer einige neuere Arbeiten verwendet worden, der Kuenstler scheint sich jedoch nicht ganz sicher zu sein, was deren Wert betrifft. "Farbe gibt einer Arbeit nicht zwangslaeufig mehr Tiefe und Bedeutung," sagt Jaeggi. "Beschraenktere und stilisiertere Ausdrucksmittel haben sich oft als ausdrucksstaerker erwiesen. Es versteht sich von selbst, dass jede Arbeit durch die Augen jedes einzelnen Betrachters gesehen wird und mit dessen/deren eigenen Erfahrungen und Erinnerungen oder Verbindungen zu dem Dargestellten."
Waehrend eine Arbeit wie Mona Teresa wegen ihres eindruecklichen Gesichtsausdrucks eine nachdenkliche oder philosophische Reaktion hervorrufen mag, loesen andere Stuecke Augenzwinkern und humorvolles Kopfschuetteln aus, insbesonders Mona Warhol: zusaetzlich zur Kombination von schwarz-weiss und Farbe im Kopf und der Schulterpartie, verwendet Jaeggi das Nach-Zahlen-Malen in der Landschaft und Kleidung als sehr warhol'sche Reverenz vor der Pop Art-Kultur.
Jaeggi meint, Humor basiere "auf dem Sich-lustig-Machen ueber eine bestimmte Person in einer ganz bestimmten geografischen und zeitlichen Situation. Humor bedeutet vor allem, die Dinge nicht nur eindimensional oberflaechlich zu sehen und hinzunehmen, sondern eine gewisse Distanz zu sich selber und zu seiner Umgebung zu haben." Natuerlich setzt diese Haltung eine gewisse Reife voraus, die nicht zwangslaeufig vorhanden ist, weder im dargestellten Modell, noch im Betrachter. Die einen moegen sich an dem Humoristischen erfreuen, waehrend andere sich darob grob beleidigt fuehlen. Jaeggi sagt aber, dass "sogar die laecherlichste Darstellung einer oeffentlichen Person respektvoll sein kann und eine tiefstempfundene Ehrung."
Leonardos Mona Lisa ist auf beiden Seiten dieser Strasse zu finden: verehrt und durch den Kakao gezogen, von Kunsthistorikern gefeiert und durch die Volkskultur entthront. Das originale Oelgemaelde auf Pappelholz (77 x 53 cm) ist im Louvre in Paris zu Hause. Leonardo hat damit 1503 in Florenz angefangen und man sagt, er haette drei bis vier Jahre gebraucht, um es zu beenden. Als Leonardo etwa zehn Jahre nach Fertigstellung des Bildes von Italien nach Frankreich uebersiedelte, nahm er das Gemaelde mit sich, wo er es nachweislich Koenig Francois dem Ersten verkaufte.
Fuer die meiste Zeit ihres Daseins ist der Louvre Mona Lisas Zuhause, doch sie ist auch weitgereist. Das Gemaelde residierte in Fontainebleau und Versailles, bevor es sich nach der Franzoesischen Revolution im Louvre niederliess. Sogar Napoleon war von dem Bild fasziniert und liess es in seinem Schlafzimmer in den Tuileries installieren.
Aber erst seit Mitte des 18. Jahrhunderts wird Mona Lisa in Kuenstlerkreisen geschaetzt, um dann spaeter weltweite Bedeutung zu erlangen. Beruehmt-Sein ist nicht immer von Vorteil: 1911 wurde das Gemaelde im Auftrag eines Schwindlers von einem Museumsangestellten gestohlen und es blieb zwei Jahre lang verschollen. Waehrend des Zweiten Weltkriegs wurde Mona Lisa ausgelagert und kehrte nach dem Waffenstillstand wieder in den Louvre zurueck. Nach mehreren Vorfaellen von Vandalismus in den spaeten 50er Jahren wurde das Bild durch Sicherheitsglas geschuetzt. Kurze Reisen in die Vereinigten Staaten in den fruehen 60ern und 1974 nach Tokio und Moskau sind seither die einzigen Ausfluege gewesen. 2005 wurde das Gemaelde in einen speziell geschuetzten Saal innerhalb des Louvre umgesiedelt.
Wie ist es nun dazu gekommen, dass diese Erleuchtung aus der Renaissancezeit zur Zielscheibe und Parodie-Ikone der Pop Kultur und Avantgarde-Kunst geworden ist? Viele halten das Werk von Marcel Duchamp, dem einflussreichen Dadaisten, fuer die erste Karikatur von Mona Lisa. Sein 1919 entstandenes "L.H.O.O.Q." ist eine billige Postkartenreproduktion mit einem draufgekritzelten Schnauz und Baertchen. Der Titel des Werks ist ein unflaetiger doppelsinniger Kommentar: wenn man ihn laut auf franzoesisch ausspricht klingt es wie "Elle a chaud au cul", was genau uebersetzt "Sie hat heiss am Arsch" heisst.
Durch die Jahre ist Mona Lisa – oder ihre geheimnisvolle Geschichte – zum Gegenstand von Liedern, Songs, Geschichten, Buechern, Filmen geworden und sie findet sich in jeder erdenklichen Kunstform wieder. Dan Browns Thriller "Der Da Vinci Code" und der 2006 herausgekommene Hollywoodfilm nach dem Buch sind nur die neusten Beispiele wie dieses beruemhte Gemaelde die westliche Kultur durchdrungen hat.
In seinem Mona Projekt folgt Andreas Jaeggi beiden, da Vinci und Duchamp, und er kreiert Portraits, die ebenso raetselhaft und empoerend wie subtil und herausfordernd sind. Durch die Wahl des weltbekanntesten Bildes und durch die Verknuepfung dessen mit einigen der wiedererkennbarsten Beruehmtheiten unserer Tage verlangt Jaeggi von uns, dass wir uns mit dem Weltgeschehen und dessen bildlichen Darstellungen auseinandersetzen. Ob der Betrachter nun aufstoehnt oder seine Mundwinkel nach unten zieht, laechelt oder lacht, Andreas Jaeggis Mona Projekt nimmt Kopf und Herz in Anspruch – und laesst uns durch die gemachten Erfahrungen reicher werden.
von Jill J. Jensen
"das Mona Projekt" KunstKatalog und AusstellungsEvent, Basel
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"Ansichten und Augenblicke – mit Pinsel, Fotolinse und Leidenschaft"
Eine Konfrontation und zugleich thematische Annaeherung zu den ausgestellten fotografischen Arbeiten der anderen drei Kuenstler stellen die Bilder (Gegenstaende und urbane Landschaften) von Andreas Jaeggi dar. Die auf Leinwand oder Malkarton gemalten Staedtebilder sind Stadtimpressionen, die der Opernsaenger, Konzertsaenger, Kostuemdesigner, Buehnenbildner und bildende Kuenstler in Basel bzw. waehrend der vielen Aufenthalte in diversen Weltmetropolen (Paris, New York) erlebt. In Neo-Pop-Art-Manier gemalt, muten sie nicht selten impressionistisch an, wirken expressiv, zeigen Tendenzen zu Monochromie, interpretieren ironisch fruehere Malstile, sind Erlebnisse und Erinnerungen, wie durch farbiges Theaterlicht illuminiert. Malerisch und grafisch zugleich taeuschen sie Aquarell- und Tuscharbeiten, fotografische Vorlagen vor, wirken spontan oder geplant, mutieren zu vertrauten Orten eines vielseitigen Weltbuergers, der Kunst als Lebensgefuehl versteht.
von Kiki Seiler-Michalitsi (Kuratorin)
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Das Auge und die Kamera Die gekonnt inszenierte Schau zeigt Arbeiten von Peter Hermann, Werner Grieder, Hansbeat Stricker und Andreas Jaeggi. Die Kamera ist ein Instrument ungeahnter bildnerischer Moeglichkeiten: auf spannende Weise demonstrieren dies drei Fotokuenstler, denen thematisch verwandte Malereien von Andreas Jaeggi gegenueberstehen ... In Stadtimpressionen von Basel, Paris oder New York pendelt er virtuos zwischen fotorealistischer Praezision und skizzenhafter Spontaneitaet und laesst damit eine fesselnde Mischung zwischen Seelenlandschaft und realer Ortwiedergabe entstehen.
von Renate Duerst fuer Basler Zeitung
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Was die Technik angeht, tanzen die Bilder von Andreas Jaeggi – Oel auf Leinwand oder Malkarton – aus der Reihe. Dennoch fuegen sie sich in der von Kiki Seiler-Michalitsi kuratierten Ausstellung zusammen mit den Fotografien zu einem harmonischen Ganzen. Andreas Jaeggi unternimmt nicht nur als bildender Kuenstler mit reger Ausstellungstaetigkeit, sondern ebenso als Opernsaenger, Kostuemdesigner und Buehnenbildner haeufige Reisen ins Ausland. Seine Stadtimpressionen aus New York, Paris und Basel verblueffen einerseits mit geradezu fotografischer Genauigkeit, andererseits mit eigenstaendiger kuenstlerischer Umsetzung, die impressionistische Elemente ebenso in sich aufnimmt wie Techniken der Pop Art.
von Sibylle Meyrat fuer Riehener Zeitung
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"Ansichten und Augenblicke – mit Pinsel, Fotolinse und Leidenschaft" heisst die aktuelle Ausstellung, die der Kunst Raum Riehen mit der Kuratorin Kiki Seiler-Michalitsi realisiert hat. Dabei verspricht der Name nicht zuviel: in den Raeumen nahe der Fondation Beyeler sind Werke vierer Kuenstler zu sehen, Fotografien und Gemaelde, die vertraute, aber auch ungewohnte Ansichten und Aussichten, Einblicke, Ausblicke und Augenblicke zeigen, Leute, die Spass haben und Nachdenkliche, Portraits und Gruppen, architektonische Eigentuemlichkeiten, Kontraste und Spiegelbilder, Landschaften – mehrheitlich schwarz/weiss, zum Teil in Farbe.
Ein Hauch der grossen und grosszuegigen weiten Welt beruehrt einen zwischen den gemalten Bildern Andreas Jaeggis und den Fotografien Werner Grieders, Peter Hermanns und Hansbeat Strickers. Die Kuenstler, die unterschiedliche Zeiten und Stile vertreten, bilden keine Gruppe. In ihren Themen finden sich Parallelen und Gegensaetze, gemeinsam ist ihnen der Blick auf die sichtbare Welt im Zeichen ihrer Zeit.
Eine Konfrontation und zugleich thematische Annaeherung zu den fotografischen Arbeiten stellen die gemalten Bilder und Objekte von Andreas Jaeggi dar. Nach dem Besuch der Fachklasse fuer Grafik und Design an der Kunstgewerbeschule Basel, schloss Jaeggi 1976 sein zusaetzliches Studium am Internationalen Opernstudio am Opernhaus Zuerich ab und begann seine ungewoehnliche Laufbahn als Kostuem- und Buehnenbildner, als Darsteller, Opern- und Konzertsaenger. Die Ausstellung im Kunst Raum Riehen zeigt nur jenen kleinen Teil seines vielseitigen Werks, der das, was die Werke in der Ausstellung verbindet, dokumentiert: der gemeinsame, doch zugleich individuelle Blick auf die sichtbare Welt.
von Annina Fischer fuer Basellandschaftliche Zeitung
Ausstellung: "Ansichten und Augenblicke – mit Pinsel, Fotolinse und Leidenschaft" Kunst Raum Riehen, Basel
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"friedvolle Koepfe"
Ein schwebender Friedhof. Zwoelf weisse Koepfe, kreisfoermig aufgehaengt in Augenhoehe des Betrachters. Zwoelf identische Nachbildungen des Kopfes eines jungen Mannes. Am Boden darunter, je zwei rote Backsteine, darauf ein rundes Krustenbrot mit einer verknoteten Baumwollbinde. Parallel dazu, zwoelf Zeichnungsblaetter, auf denen Jaeggi die unterschiedlichen Gedanken festgehalten hat, die zur Ausfuehrung des Projekts "friedvolle Koepfe" gefuehrt haben.
Diese neue Installation Jaeggis war im Juni 2003 erstmalig im Berliner Kunstprojekt zu sehen. Nach viel beachteten Ausstellungen u.a. in New York und Paris, wo vor allem sein umfangreiches malerisches Werk zu sehen war, tritt in Berlin nun eine weitere Facette des Malers, Opernsaengers und Bildhauers Jaeggi zu Tage, in Form einer skulpturalen Installation von aeusserster inhaltlicher Komplexitaet.
Es verwundert zunaechst, dass diese sehr harmonisch angeordnete Figurengruppe, die dem Betrachter reichlich Interpretationsspielraum liefert, durch die Zeichnungsblaetter erklaerende Ergaenzung erfaehrt. Traut der Kuenstler der Wirkung seines Werkes nicht? Nimmt der Einblick in den Entstehungsprozess, der Blick hinter die Kulissen, den schwebenden Skulpturen nicht ihre geheimnisvolle Wirkung? Auf den Blaettern finden sich Fotografien, Kohle- und Bleistiftzeichnungen sowie Textauszuege. Betrachtet man den Inhalt der Zeichnungsblaetter, so muss man vorangestellte Fragen zugleich verneinen und bejahen.
Bejahen deshalb, weil Jaeggi durch humorvolle Randnotizen ein wenig von der sakralen Aura der Installation abrueckt. So findet sich hier beispielsweise ein Zettel mit der Aufschrift: "Fuer Dienstag 3. Juni 2003 bestellen bei Baeckerei Bumann 12 flache Walliserbrote 20 x 20 cm." Auf einem anderen Blatt eine mit einem Raster unterlegte Kopfstudie mit der angefuegten Bemerkung: "Ja, ja, ich verwende Massstabraster wie sie Vermeer und Duerer verwendet haben." Dem Betrachter solch profane Einblicke in die Entstehung eines Kunstwerkes zu gestatten, bringt dem Kuenstler Sympathien, naehert ihn seinem Publikum an.
Verneinen muss man die Frage ob die Blaetter dem Betrachter die Freiheit der eigenen Assoziation nehmen insofern, als diese eine sehr breite Vielfalt von Jaeggis eigener Annaeherung an das Thema bieten, so dass am Ende zwar viele Denkanstoesse gegeben, aber keine definitiven Interpretationsvorgaben gemacht werden. BBC-Bilder von marschierenden Soldaten, der mumifizierte Kopf von Ramses II, Kopfstudien, gemalt von der Mutter des Kuenstlers Pia Jaeggi-Candrian und ein kleines Bild von deren Grabstein sind nur einige Beispiele.
Jaeggi sagt, ihn interessiert die Veraenderung von Koerpertypen im Laufe der Zeitepochen. Ueber die verknoteten Baumwollbinden auf den Backsteinen (= Grabsteinen), die aus dem Grabmal eines niederen aegyptischen Wuerdentraegers stammen koennten, spannt er den ikonographischen Bogen zu den Kopfnachbildungen eines jungen Mannes mit unserer Zeit gemaessen Proportionen. Die zwoelf Varianten des gleichen Modells ermoeglichen eine beabsichtigte Gegenueberstellung mit geklonten Wesen und gewaehren somit Einblick in eine nicht ferne Zukunft.
Fuer mich strahlt die Installation in ihrer gleichmaessigen Anordnung die Ruhe und Harmonie einer kultischen Grabstaette aus. Die schwebenden Koepfe wirken wie die Geister Verstorbener. Ich sehe darin 12 ganzheitliche Koerper, die Fuesse, die roten Backsteine noch fest am Boden verhaftet, der Koerper, der Leib, reduziert auf einen Laib Brot, die verschmutzten Mullbinden als Symbol fuer die im Leben davongetragenen Verwundungen, der Kopf der sich vom Ballast des Irdischen geloest hat.
Letztlich liegt die Staerke dieser Arbeit genau darin, den Betrachter zunaechst an die Hand zu nehmen und ihn am gedanklichen und handwerklichen Entstehungsprozess teilhaben zu lassen, dabei jedoch keine letztgueltigen Aussagen zu treffen, so dass es am Ende immer noch moeglich ist sich dem Werk mit eigenen Assoziationen zu naehern, auf Augenhoehe mit dem Kuenstler und seinen "friedvollen Koepfen".
von Ralf Katzenstein fuer NY Arts Magazine / Berliner Kunst
Ausstellung: "friedvolle Koepfe" Rauminstallation Galerie Berliner Kunstprojekt, Berlin & Galerie Agora Soho / Chelsea, New York
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"friedvolle Koepfe" und "die Salome Ausgrabung"
Andreas Jaeggis Arbeit setzt sich mit dem Konzept auseinander, das Kunst als ein Produkt der Geschichte und vergangener Ereignisse ansieht, als Kind seiner Vorgaenger. Er behauptet, dass wir ein Kunstwerk erst dann als solches anerkennen, nachdem es von Kunstkritikern auseinandergenommen und verdaut, durch die Fotografie reproduziert und verfaelscht und gewaltsam in unser Bewusstsein eingehaemmert worden ist. Und dann, sagt er, werden diese schattenhaften Abbilder von wahrhaft originalen Kunstwerken in solch entfernte Fernen von Anbetung gerueckt, dass eine impulsive und ehrliche Reaktion aus dem Bauch auf das urspruengliche Werk ausgeschlossen wird. Jaeggi vermengt diese kuenstlerische Besessenheit mit dem Archaischen und dem Wiedergeborenen, stuerzt sich auf die vorgefassten Kunstkonzepte und ueberwindet diese in konsequenter Weiterfuehrung geschichtlicher und kritischer Vorgaenge. Nun tut er dies aber nicht ohne eine Prise Humor, mit einem Hauch von Taeuschung und am Ende unterwandert er die konventionellen (und kleinkarierten) Kunstbetrachtung ganz. Die Ausstellungsstuecke der "Salome Ausgrabung" sollen "in der Art und Weise eines voellig schnulzigen monumentalen Historienfilms der B-Klasse gesehen werden: als eine excluxive Auswahl von falschen Antiquitaeten ..."
"Die Salome Ausgrabung", ein Skulpturprojekt in Zusammenarbeit mit Ron Rubey, besteht aus zweiundzwanzig Stuecken, die von der biblischen Chronik der Salome inspiriert sind, der Tochter der Herodias und Stieftochter des Koenigs Herodes Antipas. In dieser Erzaehlung aus den Matthaeus und Markus Evangelien des Neuen Testaments verspricht Koenig Herodes was auch immer Salome sich wuenscht, falls sie fuer ihn tanzt. Salome verlangt und erhaelt den Kopf von Johannes dem Taeufer, der ihr auf eine Schale gebracht wird. Fuer Jahrhunderte ist die Geschichte der Salome ein beliebtes Thema in der christlichen Kunst gewesen, in Darstellungen von beruehmten Kuenstlern und in verschiedenen Opern- und Textversionen von bekannten Schriftstellern. Jaeggi ist ein international anerkannter klassischer Opern- und Konzertsaenger ebenso wie bildender Kuenstler, daher ist es kaum verwunderlich, dass er sich eine Geschichte aussucht und verarbeitet, die so kraftvoll in der Opernliteratur lebt.
"Die Salome Ausgrabung" beinhaltet verschiedene figurative Skulpturen wie "Salomes Goldmaske", "Salomes Schminkpalette" und "kleine Salome", welche das Gesicht oder den Kopf der jungen Frau darstellen, die fuer das schreckliche Koepfabhauen eines verehrten Heiligen verantwortlich war. Andere figuerliche Arbeiten zeigen einen vierkoepfigen Koenig Herodes, einen scharlachroten Kopf des Jochanaan (Oscar Wildes Version von Joahnnes dem Taeufer) und die blutfarbene Figur des Narraboth, einem jungen Gardeoffizier, der sich selber umbringt, nachdem seine Liebe zu Salome abgewiesen worden ist. Jede Arbeit ist eine subtile Verschmelzung von uralten Kunstformen mit zeitgenoessischen Vorgaengen und Empfindungen. Durch diese Sammlung von erfundenen Artefakten, geformt aus luftgetrocknetem Modellierton, Ton, Papiermache, Metall, Eitempera, Acryl, Farbpigmenten und verschiedenen anderen Materialien, rekonstruiert Jaeggi die merkwuerdige und dramatische Erzaehlung, die das Publikum seit Jahrhunderten verwirrt, unterhaelt und verfolgt.
Jaeggi beschreibt seine neuste Installation "friedvolle Koepfe" als "schwebenden Friedhof von abgetrennten Koepfen, die auf Augenhoehe von der Decke haengen", als einen Versuch, "grosse Ruhe" zu erreichen. Diese aufgehaengten Gesichter sind nicht Darstellungen der Realitaet des Todesaktes und des Leidens, das diesen umgibt, eher eine Annaeherung an den Tod als einen Zustand wuerdevoller Ruhe, sogar einer Befreiung der Leiden der Welt der Lebenden. Geformt in Ton und erhoeht mit Oel- und Acrylfarbe sind diese Portraits des Todes auch Visionen der Jugend. Zwischen den geweissten schwebenden Koepfen und den erdenschweren Formen ihren Grabstaetten besteht ein Leerraum von grosser Aussagekraft, ein Spannungsfeld entsteht duch das Nichtvorhandensein eines Koerpers, vielleicht, oder durch das Vorhandensein einer geistiger Kraft.
Durch das Neuerfinden uralter Themen und dem Integrieren von Elementen der klassischen Bildhauerei durchforscht Jaeggi das Konzept der Originalitaet und des Originals an sich, der Reproduktion und der generellen Lebensdauer eines Kunstwerks. Waehrend er versucht, ein archetypisches menschliches Wesen in der Tradition der alten Griechen darzustellen, gelingt es Jaeggi auch, die heutige Koerperaesthetik einzufangen. Jaeggi ist in Basel geboren, wo er fuer viele Jahre Kunst studiert hat, bevor anfing, seine Arbeit in Gruppen- und Soloausstellungen in Europa und den USA zu zeigen. Als Opernsaenger ist er in zahlreichen internationalen Opernhaeusern aufgetreten und als Darsteller, ebenso wie als Buehnenbild- und Kostuementwerfer ist er Mitglied des Pariser Musiktheaterensembles Compagnie Alain Germain.
ArtisSpectrum Kunstzeitschrift
Ausstellungen: "friedvolle Koepfe" und "die Salome Ausgrabung" Galerie Agora SoHo / Chelsea, New York
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"raeumliche Transzendenz"
Von eleganten Aktdarstellungen zu Strassenszenen und Interieurs, Andreas Jaeggis Kunst basiert auf klassischen Techniken und Ausdrucksformen, sie ist gleichzeitig aber auch durchdrungen von starker persoenlicher Lebenskraft und wahrhaftiger kulturgeladener Energie. Jaeggi zeigt uns eine solide Kenntnis von Anatomie, umgeht jedoch eine statische Wiedergabe der Figur dank seines gestuellen Zeichenstils und ausdrucksstarkem Einsatz der Mittel. Seine Figuren, Stadtansichten und Stillleben sind von grosser Bewegtheit, Beweglichkeit und Dynamik. Jaeggis Motivauswahl wird bestimmt von Bildern aus seiner Umgebung, die persoenliche Eindruecke in seinem Erinnerungsvermoegen hinterlassen haben: "Nur Dinge aus meiner allernaechsten Umgebung und Dinge, die ich selber erfahren habe, interessieren mich in meinem Kunstschaffen, Elemente, die ich mit der Schaerfe wissenschaftlicher Klarheit beurteilen kann." Jaeggi ist in Basel geboren, wo er seine langjaehrigen Kunststudien absolviert hat, bevor er damit begonnen hat, seine Arbeit in sechs europaeischen Laendern und in den USA auszustellen. Jaeggi ist nicht nur ein ausgereifter Maler, er ist ein international anerkannter klassischer Opern- und Konzertsaenger.
ArtisSpectrum Kunstzeitschrift
Ausstellung: "raeumliche Transzendenz" Galerie Agora SoHo / Chelsea, New York
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"Periode bleue"
Genau hundert Jahre nach Picasso kommt hier ein Maler und betitelt seine Ausstellung augenzwinkernd "Periode bleue" anstatt sie einfach "Blaue Bilder" oder "Bilder in Blau" zu nennen. Offenbar ist Andreas Jaeggi diese seine neuste Arbeitsphase als Periode – als zeitlich beschraenkte Ausrichtung – fuer sein Werk wichtig. Es koennte ja sein, dass in vierzig Jahren jemand Aehnliches ueber ihn schreibt wie Gertrude Stein 1938 ueber Picasso: "Waehrend dieser Periode, von 1901-1904, malte er die blauen Bilder; die Haerte und die Wirklichkeit liessen ihn diese Bilder malen, auf die sich alles gruendet, was er spaeter schuf."
Die Idee, vorwiegend in Blau zu malen, ergab sich fuer Andreas Jaeggi fast von selber: eines seiner Staedtebilder – ein Strassenbild von Dublin – in der Art wie hier in der Ausstellung auch noch eins zu sehen ist, geriet ihm im Zuge der angestrebten Vereinfachung ganz blau und uebte einen derartigen Sog auf ihn aus, dass er sich entschloss, diese Farbe in den verschiedensten Abstufungen und Themenbereichen auszuloten.
Mit der Farbe Blau hat es so seine Bewandtnis. Es ist die Farbe der Goetter im Aegypten der Pharaonenzeit, kam im Abendland aber erst ab dem 12. Jahrhundert zum Einsatz, als man endlich Ultramarin aus Lapislazuli gewinnen konnte. Der Widerstand der Kirche gegen diese Farbe lockerte sich erst, als sich in der Malerei – und das war ja zuerst nur religioese Malerei – als Doktrin durchsetzte, dass der Mantel der Gottesmutter Maria immer in Blau, im teuersten Ultramarin, gemalt werden musste. Ab 1600 erst gilt Blau als Grundfarbe. Spaeter setzte es sich allmaehlich durch und wurde immer beliebter. Die Europaflagge zeigt heute Blau als Grundfarbe und die meisten Erwachsenen bei uns nennen Blau als ihre Lieblingsfarbe.
Wassily Kandinsky hat 1912 in seinem Buch "Ueber das Geistige in der Kunst" auf die besondere Wirkung des farbigen Lichts auf den ganzen Koerper hingewiesen. Er meint, "dass die Farbe eine wenig untersuchte, aber enorme Kraft in sich birgt, die den ganzen menschlichen Koerper, als physischen Organismus, beeinflussen kann. Im allgemeinen ist also die Farbe ein Mittel, einen direkten Einfluss auf die Seele auszuueben. Die Farbe ist die Taste. Das Auge ist der Hammer. Die Seele ist das Klavier mit vielen Saiten. Der Kuenstler ist die Hand, die durch diese oder jene Taste zweckmaessig die menschliche Seele in Vibration bringt."
Zurueck zu Jaeggi: Die ausschliessliche Verwendung von Blau in seinen neusten Bildern fuehrt zu einer besonderen Wirkung, denn im allgemeinen veraendert sich jede Farbe durch die Nachbarschaft mit einer oder mehrerer anderer Farben. Ein blauer Klecks in einer roten Flaeche wirkt anders als dasselbe Blau in einer gelben Umgebung.
Fuer Jaeggi gewinnt das Blau eine unglaubliche Tiefe – und doch kommt es dem Betrachter bei laengerem Schauen entgegen. Die Gegenstaende, die Koerper kriegen Volumen, sie wirken geheimnisvoll, leuchten von innen heraus. Es sind nicht Nachtbilder, keine romantischen Szenen, die Jaeggi uns praesentiert, denn sie bieten Widerstand. Es braucht eine gewisse Zeit, es braucht eine Anstrengung bis man das Bild, das Original (denn nur da funktioniert's) wirklich sehen und seine Wirkung erleben kann oder – um mit Kandinsky zu sprechen – bis "die Seele in Vibration" gelangt.
Ansichten von Strassenecken und Haeusern, wie etwa "Atlantis", strahlen durch die Beschraenkung auf Blau eine grosse Ruhe aus. Sie sind dicht gemalt, von fester Komposition, auch wenn der Bildausschnitt oft sehr dynamisch gewaehlt ist. Die Pinsellinien, die Konturen sind locker und lebendig gesetzt, sie scheinen wie geheimnisvoll in Schwingung versetzt. Aus diesem Gegensatz zwischen Ruhe und Dynamik erklaert sich die Wirkung dieser Bilder.
Seine Akte widerspiegeln sein Interesse an der Darstellung nackter Koerper. Er malt die Oberflaeche, sucht aber ihre Ausstrahlung einzufangen, ihre Erotik behutsam bildlich zu fassen. Auf einigen Bildern erscheinen die Koerper eines Liebespaares wie transparent, sie durchdringen sich gegenseitig und bilden so ein harmonisches Ganzes.
Beachtenswert und neu sind nun die Stillleben von Andreas Jaeggi. Das Thema Stillleben – die Darstellung von reglosen, toten Gegenstaenden – kam in der westlichen Malerei im 16. Jahrhundert auf. Urspruenglich war es wohl Teil eines groesseren, szenischen Bildes und wurde dann allmaehlich zu einer eigenen Bildgattung. War anfaenglich im Stillleben vor allem die taeuschend echte Nachahmung und die Freude an der Wiedergabe des Gegenstandes angestrebt, treten spaeter andere Aspekte in den Vordergrund. Es geht nun vor allem um die malerische Aneignung des Motivs, um Farbe und Form, um das Verhaeltnis zwischen Figur und Hintergrund. Der einfachste Gegenstand kann nun Anlass fuer eine malerische Analyse sein.
Fuer Jaeggis Stillleben gilt Aehnliches wie fuer seine Hausansichten: keine Linie, die nicht schwingt, kein Umriss, der gleichmaessig durchgezogen ist: alles vibriert. Auch der wie zufaellig gewaehlte Bildausschnitt traegt zur Dynamik bei. Die Gegenstaende sind unspektakulaer, aus dem Alltag gegriffen und nicht arrangiert, aber man spuert die Verbundenheit des Malers mit diesen Objekten, die einerseits durchaus Geborgenheit vermitteln, andererseits jedoch auch jederzeit aktiv ergriffen und benutzt werden koennen.
Wie kuenstlerisch frei und ausdrucksstark Andreas Jaeggi nun in diesen Arbeiten geworden ist, kann nur beurteilen, wer seine ganz fruehen Werke kennt. Diese waren beinahe fotorealistische Darstellungen, Bilder von grosser Praezision und stupendem zeichnerischen Koennen. In der expressiven, nervoesen Malweise seiner Staedtebilder hatte sich Jaeggi von diesem Fruehwerk geloest, auch wenn die praezisen Zeichnungskenntnisse immer die unverzichtbare Grundlage fuer seine gestalterische Freiheit darstellten. Noch freier sind nun diese neusten Werke. Die Beschraenkung auf eine Farbe sowie eine noch weiter gehende Aufloesung in der Zeichnung fuehren zu harmonischen Bildern, die in einer eigenartigen Schwebe zwischen Ruhe und Dynamik fast geheimnisvoll zu verharren scheinen.
von Steffan Biffiger fuer NY Arts Magazine / Berliner Kunst
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"Andreas Jaeggis Stadtansichten und Figuren beschwoeren eine Schattenwelt herauf"
Gewisse Kuenstler entwickeln Techniken, um Atmosphaeren wiederzugeben, die eine sofort erkennbare stilistische Unterschrift darstellen. Andreas Jaeggi gehoert zu diesen Kuenstlern. Der durch seine rege Ausstellungstaetigkeit bekannt gewordene Schweizer Kuenstler aus Basel ist auch Opernsaenger. Vor kurzem waren im Chelsea Standort der Galerie Agora seine Strassenszenen zu sehen – viele dieser Stadtansichten beinhalten New York. Die Bewohner dieser Stadt konnten bekannte Orte wiedererkennen, obgleich diese Schauplaetze duch die sehr persoenliche Sichtweise des Malers verwandelt worden sind.
In den beiden gezeigten Serien ("New York Zippers", gemalt in Oel auf Leinwandfahnen, mit seitlich angbrachten Reissverschluessen und Oesen zum Aufhaengen, ebenso wie die Aktbilder, die er mit einer Verbeugung vor Picassos "Blauer Periode" zuordnet) verwendet Jaeggi eine Palette von tiefen, gesaettigten Farbtoenen, mit denen er seine Kompositionen erfuellt und durchdringt und dadurch eine dunkel beschwoerende Atmosphaere hervorbringt. Ein Gemaelde dieser ersten Serie: "New York Zippers: Thomas' Tempel (Aegypten im Metropolitan Museum)" stellt die Museumsgalerie dar, wo die antiken Graeber gezeigt werden. Das Bild weckt im Betrachter das irreale Gefuehl von Zeitlosigkeit, das man an diesem Ort empfindet.
Dies ist ein besonders kraftvolles Gemaelde, denn einerseits wird durch die Verwendung dieses Innenraums die genau definierte Empfindung eines bestimmten Ortes beschrieben, andererseits funktioniert dieses Bild auch als verblueffende geometrische Abstraktion. Jaeggis Verwendung von duesteren Braun- und Blautoenen erhoeht die Bildstimmung und zur gleichen Zeit die strenge formale Schoenheit.
Ein anderes Bild dieser Serie faengt die Brooklyn Bruecke in schattenhaften Blaumonochromien ein, die gelegentlich durch lebhafte weisse Pinselstriche aufgelockert werden. Es wird die Stimmung eines Regensturms heraufbeschworen. Bruecke, Hafen und die an der Wasserfront zusammengekauerten Gebaeude sind von schattenhafter, beinahe geisterhafter Qualitaet, die der Komposition eine ungewoehnlich poetische Kraft verleihen.
Sogar die Hochhaeuser und Reklameschilder von Times Square werden von Jaeggis subtiler Farbtonmagie verwandelt, wie in einem weiteren Gemaelde zu sehen ist. Waehrend die meisten Kuenstler sich von den schreienden Neonfarben dieses beruehmten Strassenzugs [Broadway] verfuehren lassen, entscheidet sich Jaeggi fuer einen stark lyrischen Charakter. Er stellt den Times Square zu einem ruhigeren Zeitpunkt vor, vielleicht wie er im ersten Morgenlicht nach einer langen durchfeierten Nacht gesehen werden kann, wenn die Zeichen und Symbole fuer kurze Zeit abgedunkelt sind und ein in-sich-gekehrtes Schweigen einsetzt, bevor das "Das Herzstueck" der Stadt wieder zu seinem ueblichen Auf und Ab und Hin und Her zurueckkehrt.
Noch eine andere Arbeit dieser Serie, die "Schatzinsel Manhattan", ist eine Ansicht der Insel aus der Vogelperspektive, vorwiegend in ruhigen Brauntoenen gehalten, die sie mit der Aura irgendeiner uralten Landkarte umgeben. Dies ist eine von Jaeggis abstraktesten Kompositionen, trotzdem bleibt sie auf ihre ganz eigene Art und Weise dank der duesteren verbrannten Farbtonalitaeten und der elegant umrissenen Formen wie alle anderen Stadtansichten bis ins kleinste Detail evokativ.
Die Figuren in Jaeggis Serie der "Blauen Periode" sind heraufbeschwoerend in einer anderen Weise. Jedes Gemaelde stellt einen Einzelakt dar, hauptsaechlich in blauen Schattierungen gehalten mit gelegentlichen rotbraunen Akzenten, einem anderen besonderen Farbton, der vom Kuenstler bevorzugt wird. Weisse Glanzlichter und – weniger haeufig – Flecken von Gruen geben diesen wunderbar ausgefuehrten Figuren ihre greifbar koerperliche Gegenwart, wie man ihr im Halblicht eines abgedunkelten Schlafzimmers begegnen mag.
von Maurice Taplinger fuer Gallery&Studio Kunstzeitschrift
Ausstellung: "raeumliche Transzendenz" Galerie Agora SoHo / Chelsea, New York
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"Eine Suche nach Wahrheit und Bedeutung"
Andreas Jaeggi sucht ununterbrochen nach Schoenheit, Harmonie und Ausgewogenheit in seinem Kunst-Machen. Man muss jedoch gleich anfuegen, dass ihm die Suche nach Wahrheit noch wichtiger ist. Der Sinn dieser oft falsch verwendeten und missbrauchten Ausdruecke und Verallgemeinerungen sind fuer jeden Kuenstler und jederzeit eine Herausforderung. In dieser Werkschau im Berliner Kunstprojekt nimmt Andreas Jaeggi es auf sich, in wahrer Kunst Schoenheit, Harmonie und Ausgewogenheit zu bestimmen und er versucht gleichzeitig sein Ziel zu erreichen, Arbeiten zu zeigen, die ein Gefuehl von "grosser Ruhe" vermitteln.
Die Thematik scheint auf den ersten Blick nicht geeignet, "Ruhe" zu schaffen. Auch scheinen die eigenen Angaben des Kuenstlers zu seiner Ausstellung dem eben erwaehnten Gefuehl "grosser Ruhe" zu widersprechen, denn Jaeggi nennt seine Arbeit einen "schwebenden Friedhof von abgetrennten Koepfen, die auf Augenhoehe des von der Decke haengen". Koennen abgetrennte Koepfe Ruhe schaffen? Nur der Betrachter kann dies beurteilen.
Die Kopfskulpturen haben sich aus einer Vielzahl von Werkgruppen figurativer Arbeiten entwickelt. Dieses in Berlin gezeigte Projekt ist aus einer frueheren Serie von zwanzig Kopfskulpturen wie auch aus einer Reihe von Einzelportraits entstanden. Obwohl der Kuenstler in der langen Tradition figurativer Bildhauerei arbeitet, sucht er nicht nach Quellen aus der Kunstgeschichte, sondern setzt als Modell den Kopf eines zeitgenoessischen jungen Mannes ein.
Die Koepfe der Installation sind von einer einzigen Negativform abgezogen. Die Wiederholung des einzelnen nicht identifizierten Maennerkopfes bringt diese Arbeit in die Naehe neuzeitlicher Kunstproduktion. Luftgetrockneter Modellierton ist ueberhoeht durch Oel- & Acrylfarbe ebenso wie durch das Einsetzen reiner Farbpigmente. Die modernistische Technik der Repetiton ist nicht die einzige kulturelle Verknuepfung, die auffaellt. Durch die Koerperlichkeit der entseelten Koepfe, die von Kopf zu Kopf gleich bleibt, zieht man bald Parallelen zu Horrorfilm und Science Fiction. Klonen kommt einem in den Sinn und man denkt an Marcel Duchamps Ready-Mades. Andy Warhol trifft auf die "Invasion der Leichenfresser" und auf Goyas Darstellungen von Kriegsgreuel.
In dieser Ausstellung beschaeftigt sich Jaeggi mit anderen Themen als in seinen vorgaengigen Serien "Stadtimpressionen" oder "New York Zippers". In den "Stadtimpressionen" zum Beispiel nimmt seine Arbeit nicht nur die Form von Malerei an, die Malerei bietet eine sanft expressionistische und stilisierte Wiedergabe von urbanen Landschaften an. Schmerz und die dunkle Seite des Menschen kann durch sorgfaeltiges Studium aus diesen Arbeiten zwar erahnt werden, sie sind jedoch bestimmt nicht an der Oberflaeche leicht erkennbar. In der Rauminstallation seiner "friedvollen Koepfe" beschaeftigt sich Jaeggi hingegen mit der Wirklichkeit, wie sie sich Leuten mit schweren Krankheiten, entstellenden Verletzungen oder anderen einschraenkenden koerperlichen oder geistigen Behinderungen stellt. Er erweitert sein Thema noch, indem er ganz generell auf Menschengruppen eingeht, deren physische Kondition beschraenkt ist, zum Beispiel durch hohes Alter. Auch in die Diskussion einbezogen sind die Berufsleute, deren Aufgabe es ist, sich um Behinderte und Alte zu sorgen.
Die Arbeiten gehen thematisch weit ueber Horror und Entsezten hinaus. Wie der Kuenstler selbst festhaelt, sind die Koepfe in dieser Ausstellung "nicht, was vom Korb der Guillotine waehrend der Franzoesischen Revolution aufgefangen worden waere". Er betont, dass er beim Modellieren der Skulpturen "die kraftvolle Fleischlichkeit eines jungen Maennerkopfes" hat beibehalten wollen. Die Absicht des Kuenstlers ist eindeutig: der Betrachter soll Leben im Tod erkennen koennen, Staerke inmitten von Schwaeche und eines allgemeinen Kraftschwunds. Trotz der streitfreudigen Natur der Arbeit ist sie grundsaetzlich optimistisch. Er unterbreitet uns, dass – auch wenn Sterben qualvoll sein mag – "das Tod-Sein selbst ein friedvoller Zustand ist". Jaeggis Arbeit laesst ein weites Interpretationsfeld offen und der Kuenstler hofft, dass sich jeder Besucher aufgrund des Gezeigten seine eigene Geschichte zurechtlegt, die auf der Wirklichkeit jedes einzelnen Bertachters basiert.
Jaeggis Stil hat sich in dramatischer Weise durch die Erweiterung seiner Interessen veraendert. Fruehere Arbeiten sind aus einer klassischen Tradition entstanden. Andere Werkgruppen, in denen er Strassenszenen und staedtische Wahrzeichen seiner Umgebung im Licht seiner persoenlichen Aesthetik interpretiert hat, stehen dem Impressionismus nahe. Die vielschichtigen Themen und der schwierige Inhalt dieser neueren Arbeit haben Jaeggi zu einer experimentelleren Ausdrucksweise der Avantgarde gefuehrt. Der illustrative Stil einiger der Strassenszenen, die Jaeggi "lyrisch und impressionistisch im klassischen Sinne" nennt, passt nicht mehr zum gegenwaertigen Faecher seiner Inhalte.
"Stadtimpressionen" beinhaltet Strassenszenen aus Basel, Paris und New York. "New York Zippers" ist eine Serie von 24 bemalten Leinwandfahnen ueber den "Big Apple". Gedanklich dem Geist der gegenwaertigen dreidimensionalen Arbeit schon naeher, obwohl noch entfernt in stilistischer Hinsicht, sind die darauffolgenden Arbeiten von Jaeggis "Periode bleue". Diese atmosphaerischen Bildwerke stellen Akte, Stillleben und Aussenansichten in hoechst persoenlich gefaerbter Art und Weise dar. In seiner "Periode bleue" streift er oft die Schwierigkeit des Mensch-Seins, zeigt ein Bedauern inmitten jugendlicher Bluete oder faerbt scheinbar Idyllisches mit dunklen Toenen. Wie dann spaeter mit den "friedvollen Koepfen" erfuellt Jaeggi die Formen mit Charakter, der weit darueber hinausgeht, was eine simple fotografische Wiedergabe einem Subjekt abverlangen koennte.
Wie jeder Kuenstler, dem Vielseitigkeit wesentlich ist, beschaeftigt Jaeggi sich weniger mit stilistischer Konstanz als damit, die passende Ausdrucksform fuer jeden Inhalt zu finden, mit dem er sich zur Zeit auseinandersetzt. Mit seinen unfriedlichen und kraftvollen Kopfskuplturen verlangt er vom Bertrachter, mit ihm als Kuenstler Schritt zu halten.
von Augustina O'Farrell und Erica Snow fuer NY Arts Magazine / Berliner Kunst
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